Ein Erfahrungsbericht mit viel Verspätung
Die letzten Termine sind geklärt, wichtige Arbeiten für die nächsten Tage sind mit Kollegen und Chef abgesprochen. Der PC wird heruntergefahren und schon geht es mit dichtem Schneefall zum Bahnhof. Die Meldungen an diesem Vormittag lassen nichts Gutes hören. Schlagzeilen wie „Zugausfälle wegen Schneechaos“ und „Hunderte Personen sitzen in Zügen fest“ lassen einen erschaudern. Doch eine bessere Alternative zur Zugfahrt gibt es nicht, Flieger bleiben auf den Flughäfen stehen und die Meldungen von Autobahnen bieten auch nur Staus und Vollsperrungen.
Ich werde wohl oder übel mit der Bahn fahren müssen. Doch ob mein Zug pünktlich fährt und ankommt, werde ich im voraus nicht herausbekommen.
Ich stehe überpünktlich auf dem Gleis 2, von dem der IC nach Nürnberg fahren soll, und lese die Anzeige. Es ist noch ein Regionalexpress nach Stuttgart angeschrieben, der bereits vor 30 Minuten hätte fahren sollen. Noch sehe ich das locker, denn es kommt in dem Moment eine Durchsage, dass dieser Regionalzug ausfällt. Alle Fahrgäste, die nach Stuttgart oder Schwäbisch Gmünd möchten, dürfen ausnahmsweise mit dem IC ohne Preisaufschlag von Gleis 1 mitfahren, der ein paar Minuten später eintrifft. Somit ist das Gleis 2 frei und der IC nach Nürnberg wird angekündigt, ohne Verspätung.
Ich steige in den IC 2069 nach Nürnberg ein, der pünktlich nach Fahrplan um 14:57 Uhr abfährt. Meine Platzreservierung für Wagen 9 ist eine nicht sofort auffindbare Sache. Ich laufe durch die Wagen 6, 7, 8. Der nächste Wagen müsste ja wohl 9 sein, doch nein es ist der Wagen 10. Na, haben die nicht zählen können? Der Schaffner im Wagen 10 freut sich, als ich nach dem Wagen 9 frage. Der ist ganz vorne an der Zugspitze, nach Wagen 12. Also alles da, nur nicht ganz in der Reihenfolge.
Nach einer zügigen Fahrt wird nun Nürnberg angekündigt. Die Ankunft ist pünktlich und ich kann meinen Anschlusszug bekommen. Auf dem Weg zum Anschlusszug bekomm ich per SMS eine Nachricht, dass dieser ICE Nürnberg-Berlin eine Umleitung angeblich fährt und nicht in Saalfeld hält. Somit wird wohl ein Teil der Strecke umgangen, da diese wegen Schneechaos gesperrt ist. Für mich heißt das nur eine längere Zugfahrt.
Doch ein Teil der Fahrgäste des ICE nach Berlin hat diese Meldung am Bahnsteig nicht mitbekommen. Die Fahrgäste, die diese Meldung erst im Zug erfahren, sind verärgert. Gleich erkennt man im Zugabteil, wer vor Naumburg alles aussteigen wollte. Diese Fahrgäste fangen gleich an, zu telefonieren oder ärgerlich in die Tasten Ihre Laptops zu hacken. Nur eine kleine Gruppe Männer stört diese Umleitung und verlängerte Zugzeit nicht, obwohl diese bis nach Hamburg wollen. Sie haben eine größere Menge Jagertee dabei, der Jagerteegeruch hat sich bereits im ganzen Zugabteil ausgebreitet.
Laut Internet wird dieser Zug 60 bis 90 Minuten später als planmäßig in Berlin eintreffen. In der Hoffnung, dass es wirklich nur soviel ist und es nicht noch mehr wird.
Für die Fahrgäste, die in Naumburg umsteigen müssen, um zurück nach Saalfeld zu gelangen, bleibt die Fahrt spannend. Denn die Zugverbindung zurück nach Saalfeld ist in den Abendstunden sehr schwierig. Diese bereits angespannten Fahrgäste werden an ihr Limit getrieben, als der Zug einfach so in der Landschaft stehen bleibt. Die Durchsage „.. vor uns befindet sich eine Strecke, die einspurig ist. Wir müssen auf vier Züge warten, den wir leider Vorfahrt geben müssen …“ bringt die Fahrgäste zum Bangen. Dann kommt noch der Satz „Wir werden aus diesem Grund noch weitere 20 Minuten Verspätung haben …“ und ein Raunen geht durch das Zugabteil. Genau in den 20 Minuten sollte dieser ICE in Berlin ankommen, doch er hat noch nicht mal Naumburg erreicht. Für die Strecke Naumburg – Berlin benötigt der Zug locker 90 Minuten. Damit werde ich wohl mit 60 bis 90 Minuten Verspätung nicht in Berlin ankommen. Ich rechne mit 2 Stunden Verspätung, denn dieser Zug hält nun auch noch außerplanmäßig in Wittenberg. Doch davor bleiben wir nochmals stehen, da eine Weiche eingefroren ist, die schnell freigeschaufelt und gangbar gemacht werden muss.
Irgendwann kommt der Zug doch im Bahnhof Berlin Südkreuz an. Ich hätte da bereits aussteigen sollen und mit der S-Bahn weiterfahren sollen. Denn die Weiterfahrt wird durch eine nicht schließende Tür verhindert und die Fahrt wird verzögert sich nochmals um über 10 Minuten.
Schließlich erreicht der ICE 1504 in Berlin ein. Planmäßige Ankunft 21:05, tatsächliche Ankunft 23:45 Uhr – also nur eine Verspätung von 3 Stunden 40 Minuten bei einer planmäßigen Fahrtzeit von 6 Stunden!
Die Bahn macht es möglich, Verspätung von 50% der eigentlichen Fahrtzeit. Und wenn man dann als genervter Fahrgast von Bahnangestellten zu hören bekommt: „So ist es eben im Winter.“ könnte man an die Decke gehen.
War es früher, als noch die Züge mit Diesel fuhren, es viel mehr Schnee gab und die DB kein Hightech-System hatte, auch so schlimm? Ich hoffe die Hinfahrt nach Berlin war eine Ausnahme und meine Rückfahrt ist entspannter und ohne Verspätung.
Rückfahrt beginnt mit großer Verspätung